ALLE MANN... ONLINE!

Aktualisiert: 19. Jan 2021


In diesen Tagen erleben wir eine digitale Gesinnungs-Wende. Ganz gleich wie unsere persönliche Einstellung dazu früher war,- also vor ein paar Tagen- jetzt hat die digitale Welt uns eingeholt. Home Office. Webinare. Digitaler Vorverkauf von Take Away Food. Weinprobe online (echt, jetzt?) und mehr denn je sprechen wir online miteinander. Nicht zuletzt, weil viele von uns, viele unserer Freunde unter Quarantäne stehen. Dass wir keine Ausgangssperre haben, liegt auch daran, dass wir uns als Kollektiv gut in die Situation eingefühlt haben.


Ich finde überhaupt die Kreativität, die die Menschen gerade jetzt zeigen, sehr motivierend. Kleine und Solo Unternehmer finden neue Wege zu ihren Kunden und große Unternehmen versuchen, eine Kommunikation unter den Home Offices zu etablieren. Wir Einzelkämpfer versuchen den Unterschied von Home Office und Home Vacation zu lernen. Es entstehen neue Formen der Verbindung, neue Knotenpunkte, neue Lebensstile.


Natürlich trifft es auch die heilenden und beratenden Berufe. In Chile habe ich schon vor einigen Jahren gesehen, dass Patienten per Online Session diagnostiziert wurden. Unsere Ärzte, unsere Schulen hinkten hinterher, aber das erfährt ja in diesen Tagen eine derartige Beschleunigung, es ist berauschend.

Plötzlich geht´s ja doch!


Die Frage "geht Coaching auch online? " ist mir nicht neu. Jetzt, angesichts Corona, steht das Thema wieder ganz oben auf der Frageliste. Meine überzeugte Antwort: ja!

Die Frage ist, wie.


Für viele stellen sich jetzt enorme technische Fragen und hohe Lernanforderungen. Das Ganze sieht einfacher aus als es in Wirklichkeit ist. Aber all das lässt sich schnell erlernen und auch umsetzen.

Wenn wir im ersten Schritt noch über die Gestaltung virtueller Räume nachdenken, betrifft das Hintergründe, Dekorationen im Bild und möglicherweise unsere Logo-Einbindung. Wir denken über Make up und über die Farbigkeit unserer Kleidung nach.


Es gibt Menschen, die hängen bei der Online Arbeit in ihrem Fernsehsofa, sie schaukeln in Hängematten, sie hocken am Küchentisch (vor dem dringend zu erledigenden Abwasch) oder sie sitzen in einem von Papieren überquellenden Heimbüro. Auch wenn wir diese Online Arbeit nur deshalb machen, weil der Corona Virus uns zuhause hält, sollten wir versuchen, einen wertneutralen, professionellen Raum zu schaffen.

Das wäre jedenfalls mein Rat.


Ich arbeite (immer schon) sehr gerne online und habe lange damit herumexperimentiert. Ich habe meinen Praxisraum als Kulisse ausprobiert, aber das hat für mich energetisch nicht gestimmt. Präsenzarbeit ist eben etwas anderes. Und irgendwie finde ich, dass der Ort der persönlichen Begegnung vorbehalten bleibt.

Dann habe ich zuhause nach einem passenden Ort gesucht. Barhocker oder Stuhl am Tisch? Mit Gartenblick oder perspektivische Durchsicht durch die Wohnung? Direkt vor der Wand? Mit Bildern oder ohne? Pflanzen? Was ist mit Licht? Reicht das Tageslicht auch bei schlechtem Wetter? All das sind die Grundelemente der visuellen Gestaltung.

Unterschätzt es nicht, aber es lässt sich lösen.


Wie alles, will diese Form der Kommunikation geübt sein. Flattern zu anfangs unsere Augen noch nervös durch den Raum oder sind wir noch sehr beschäftigt mit dem eignen Bildnis (sitzt die Frisur?), kann diese Wahrnehmung verschwinden, sobald wir künstlerische und technische Sicherheit gewonnen haben. Die gibt´s allerdings nicht umsonst. Man sollte unbedingt einige Trockenübungen gemacht haben, um sich innerhalb dieser neuen Parameter wohlzufühlen.


Denn darum wird es gehen: um eine sichere Ausstrahlung, um Gelassenheit und Verbindlichkeit. Äußere Störfaktoren müssen - wie beim Meditieren ja auch - ausgeschlossen werden. Es sollten weder das Handy noch der Postbote dazwischen-klingeln. Weder die Kinder noch der Hund laufen durch den Bildhintergrund. Das Gegenüber erwartet einen geschützten Raum, wie er es von der persönlichen Begegnung kennt. Wenn du neben einer Feuerwehr Station wohnst, sag es deinem Klienten gleich zu Anfang, dann stört es ihn nicht in seinem inneren Raum. Er bezieht es einfach mit ein.


Und nun zum Wesentlichen, der Gestaltung des inneren Raums.


Die Phase des Beziehungsaufbaus braucht vor allem bei Online-Neulingen etwas länger als in einer persönlichen Sitzung. Häufig befindet der Klient sich nicht in seinem normalen Lebensraum- er ist vielleicht auf Geschäftsreise im In- oder Ausland. Es ist wichtig, ihn da abzuholen, wo er gerade ist. Ich hatte schon Anrufe aus idyllischen Urlaubsorten, wenn plötzlich und unerwartet Probleme auftraten. Dieser besonderen Situation muss dann Aufmerksamkeit gewährt werden. Sie ist ein wichtiger Teil des Ganzen.

Ich hatte schon Anrufe von einer Parkbank, nachdem im Büro kurz zuvor ein unschöner Streit ausgebrochen war.

Da Online Sitzungen schnell und unkompliziert vereinbar sind, manchmal sogar aus dem Affekt heraus angefragt werden, ist man bei Gesprächsanfang oft sehr nah am Thema. Es ist dann besonders wichtig, eine angemessenen Distanz zwischen dem Klienten und seinem Thema herzustellen- Freiraum, wie wir es im Focusing nennen.


Ganz gleich von wo der Klient sich meldet, es wird sich schnell zeigen, dass alles technische Drumherum sehr schnell in den Hintergrund rückt und wir ganz direkt miteinander sein können. Es ist für beide Seiten wichtig, genügend Zeit bereitzustellen, damit man sich in ein und denselben emotionalen Raum einarbeiten kann