DAS MAGERE SCHWEIN

Aktualisiert: 25. März 2021


Ihr Lieben,

natürlich, hier verbirgt sich hier eine wundervolle Botschaft, die ich mit euch teilen möchte.


Nein, es ist keine Anzeige für einen durchgeknallten Robinson Club!

Vielmehr:


Wir kennen das alle, wir wachen morgens auf und schon randaliert da eine Stimme in uns: "Du musst DAS unbedingt machen, sonst geht alles schief, sonst gehst du unter und kannst unter der Brücke schlafen!"

Mach! Tu! Jetzt!...sonst!"


Das spricht das magere Schwein!


Es spricht in wenn nicht ...dann Sprache und schafft es binnen Minuten, einem den Tag zu "versauen".

Diese Stimme ist tückisch und schlau, schlauer, am schlausten. Sie pirscht sich von außen an uns heran, dann kommt sie näher und näher, bis wir irgendwann glauben, sie käme aus unserem Inneren. An schlimmen Tagen denken wir sogar, wir seien diese Stimme.


Wenn man mal darüber nachdenkt, in Ruhe und ohne die bereits vorhandene Panik, dann fällt einem auf, wie begierig unser Verstand diesen Quatsch aufsaugt. Es ist geradezu so, als warte er schon auf sein verdorbenes Futter.

Wenn du mal so aus Spaß - wie die Sau in Tahiti – einen Test machst und etwas ganz anderes tust, wirst du überrascht sein. Zum Beispiel, wenn du beim Aufstehen denkst, "meine Gedanken sind blau!" oder ähnlich Paradoxes, dann wirst du merken, dass nichts geschieht. Absolut gar nichts.

Solche Gedanken werden flugsdiwugs aussortiert.


Es scheint also so zu sein, dass nur bestimmte Gedanken in uns eindringen, Gedanken, für die wir eine Tür geöffnet haben, irgendwann, irgendwo in weiter Vergangenheit.


Wenn ich also einmal verstanden habe, dass dieses Gezeter und Gekreische, diese nörgelnde Stimme in mir, etwas von mir Getrenntes ist, dann könnte ich mich entspannt in den Sessel lehnen und sagen: "Verstanden! Erledigt". Ich gebiete dem mageren Schwein Einhalt und dann hört der Spuk auch sofort auf. Allerdings...


Leider ist dem nicht ganz so. Denn– ich habe es oben andeutet – das magere Schwein ist schlau. Es wechselt die Taktik. Am nächsten Morgen klingt die Stimme wimmernd, bettelnd, Mitleid erregend. "Ich bin so arm dran, wie soll ich das alles schaffen..." oder ähnlich. Meistens ist dieses Stimmchen richtig schwach und wir müssen genau hinhören. Und genau in dem Moment hat es uns am Wickel.


Genau hinhören bedeutet Aufmerksamkeit, Kraft, Energie hingeben und schon geht das Spiel von vorne los!


Da wir das aber jetzt schon verstanden haben, schließen wir diese Tür einfach wieder. Da gibt es nichts zu verstehen, da gibt es nichts aufzuarbeiten. Tür zu!

Doch...


Dann kommt der nächste frühe Morgen und wieder ist da etwas... Dieses Mal versucht das magere Schwein es mit Schmeicheleien. "Du hast was viel Besseres verdient..." oder ähnlich. Mit Stolz geschwellter Brust liege ich im Bett und suhle mich im Lob. Lob, von dem ich weiß, das es nichts verändern oder verbessern wird. Es ist eine miese Fiktion! Also: Tür zu!

Dennoch..


Am vierten Tag ist ihm wieder etwas Neues eingefallen. Dieses Mal probiert es den Neid. "Wieso darf der das und ich nicht... wieso hat der dieses oder jenes, und ich nicht...?" Sehr effektiv, sehr schlau! An dieser Stelle sind wir alle sehr empfänglich und es fällt dem Schwein nicht schwer, unsere (ausschließlich ihm!) energiespendende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Da sind sie wieder, die pochenden, jagenden Ängste, die einem den schönen Tag aus den Händen reißen.

Aber...


Jetzt bin ich schon weiter. Denn wenn ich einmal erkannt habe, dass diese Stimme nicht aus meinem Inneren kommt, dann bin ich auch in der Lage, diese Tür zuzumachen.