Die Gunst der frühen Stunde


Hallo zusammen,

ich werde euch heute zum frühen Aufstehen anhalten. Zumindest hin und wieder. Ich habe mich erinnert, dass ich früher- und das ist noch kein Jahr her- immer 2 Stunden früher aufgestanden bin, als ich musste.

Egal, wann. Immer 2 Stunden früher.


Ich erinnere mich an qualvolle Wintermorgende, wo ich ab-so-lut keine Lust hatte, mich aus dem Bett zu pellen. Aber ich erinnere mich auch an das große Gefühl, wenn ich dann mit dampfendem Kaffe in der Hand auf meinem Meditationskissen saß, das Zimmer langsam wärmer wurde, und eine sanfte Ruhe über mich fiel. Wie ein Seidenschal.


Im Sommer ist das ja um so einfacher. Vor allem jetzt, wo ich im Grünen wohne. Die Vögel beginnen ihr Konzert und ich erinnere mich... da war dieses Zifferblatt, das ich als Kind hatte, wo man ablesen konnte, welcher Vogel um wieviel Uhr anfängt zu singen. Sie sind alle genau aufeinander abgestimmt, es ist die große Partitur.

Aber auch die Stadtvögel sind munter und singstark. Und wenn man genau und früh hinhört, sind es sehr viele. Sie haben sich dicht bei uns niedergelassen.


Die frühe Stunde ist ein Geschenk an dich selber. Die kleine Routine lässt sich leicht in jedes Zusammenleben integrieren. Wenn die anderen es verstehen können, dann werden sie dich nach kurzer Zeit schon unterstützen! So war es bei mir. Es bedeutet auch, dass du leise aufstehst und keinen Lärm machst. Musik bitte auf die Kopfhörer nehmen und nicht unbedingt Kaffee mahlen. Das kann man alles am Abend vorher organisieren. Selbst unsere Tiere gewöhnen sich da das Frühritual.


Wenn der Seidenschal also lautlos auf mich herabgefallen ist...

brauche ich nichts mehr zu tun. Ich könnte vieles tun, aber ich muss nicht. Tatsächlich war das anfangs mein größtes Problem. Was mache ich denn mit dieser gewonnenen Zeit? Es hat nicht lange gedauert, da hatte ich schon wieder Pläne und Taktung. Ich wollte wieder etwas schaffen! Je mehr schöne Erfahrungen ich gemacht hatte, um so mehr wollte ich sie wiederholen. Wollte sie alle in einen Block schieben und ihn abarbeiten. Meditieren, im I-Ging lesen, Gedanken aufschreiben, Blogs verfassen, Dehnungs-Übungen machen... alles auf einmal! Wie schwer es mir doch fällt, die Dinge einfach entstehen zu lassen. Daran merkt man, wie sehr man gedrillt ist, wie sehr auf Leistung getrimmt. Gleichzeitig streben wir alle nach kreativem Ausdruck, aber wir haben keinen Raum für ihn. Also, zurück zur frühen Morgenstunde.


Irgendwann habe ich gelernt, einfach still da zu sitzen. Zu warten. Nichts zu tun. Zu hören, zu sehen, zu fühlen. Langsam konnte ich diese frühe Stunde als Geschenk verstehen. Es war herrlich, er war Kurzurlaub, es war Inspiration, es war die Eroberung meiner inneren Welt.


Wir kann es dann sein, dass ich sie wieder vergessen habe? Komplett vergessen. Eine Lebensroutine ist durch einen Umzug neu entstanden und meine schöne Morgenstunde ist einfach durch die Ritzen gefallen.

Ich stehe zwar immer noch früh auf, aber meistens fange ich gleich an zu arbeiten. Etwas in die Welt hinauszuposaunen. Und dann reihen sich die "oh Mann, ich müsste mal wieder..."´s vor mir auf und ich empfinde das als erdrückend. Wende mich also schnell davon ab. Aber so einfach ist das nicht. Weil ich mich erinnere...


Also gut, morgen früh.


Es hat geklappt. Ich räuchere vorsichtig etwas Yerbas Santas. Wie lange habe ich den feinen Geruch nicht mehr gerochen! Das feine Kraut hebt meine Stimmung sofort. Jeder hat bestimmt einen ganz bestimmten Geruch, den er besonders liebt. Gönn ihn dir. das kannst du schön vorbereiten. Musik brauche ich heute morgen nicht, ich suche die Stille. Ich finde das leicht staubige Meditationskissen- na, ein bisschen eingerostet seit dem letzten Mal...?

Ich muss über mich selber lächeln.


Ich nehme mein Heft auf den Schoß, meinen Stift. Warte einfach. Und plötzlich- ich kann gar nicht sagen, wie lange meine Gedanken durch die Weite und durch die Enge gereist sind- kommen mir blitzartig entscheidende Gedanken. Dinge, die ich schon lange vor mir herschiebe, stehen schnell und glasklar auf dem Papier. Mit warum und wieso nicht. Ich überfliege den Text, habe mich selbst überrascht und bin sehr zufrieden.


Also, bis morgen früh um dieselbe Zeit!

Ich verabrede mich mit mir selber. Die Uhrzeit spielt keine Rolle, es ist der frühe Geruch, das frühe Licht und die Unberührtheit aller Dinge, die mich ziehen wird. Ich nehme in der Zeit keine Aufträge an, nicht mal von mir selber.


Es ist eine Mini-Abenteuer auf das ich mich einlassen werde. Ich muss es erst wieder üben, dann geht es immer leichter. Wenn du denkst, dass du zu angestrengt, zu müde oder zu gestresst bist, dann mache es erst recht. Eine Stunde mehr unruhiges Schlafs ist nichts gegen eine Stunde heilsamer, wacher Ruhe. Du wirst sehen, dass die Verlangsamung der Zeit dir sehr viel inneren Raum schenken wird. Meistens ist es nämlich genau das, was uns fehlt:

der Zugang zu unserem inneren Raum!


Ich stelle mir einfach vor, dass ihr morgen früh auch eure Lieblings-Utensilien hervorholt, schreibt, denkt, summt, meditiert, atmen übt, euch streckt und reckt, was immer euch einfällt.

Ohne Druck! Ohne Wollen!

Ihr werdet euren eigenen Rhythmus finden, eure beste Zeit finden und ihr werdet den inneren Schweinehund überwinden!


Ich gespannt, eure Erfahrungen zu hören!


Guten frühen Morgen....

Birgit



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