"Die wunderwirkenden Kräfte des Unterbewusstseins"


Hallo zusammen,

heute möchte ich unsere Aufmerksamkeit wieder dem I-Ging, zuwenden, dem Buch der Wandlung.


Auf den Titeln der vielen Bücher, die darüber erschienen sind, steht meistens der Zusatz "Orakel". Doch das ist irreführend. Das I-Ging ist kein Wahrsage-Buch, das seinen Blick auf ein konkretes Zukunftsereignis richtete. Das I-Ging beschäftigt sich vielmehr mit der tiefer liegenden inneren Wahrheit einer Situation. Worum geht es wirklich? Was verbirgt sich hinter einem Streit, einem Verlust, einer Mutlosigkeit?


Das I-Ging zeigt uns die Dynamik an, die zwischen Innen und Außen wirkt. Innere Spannungsfelder zeigen sich im Außen in Form von Konflikten, Missgeschicken oder Krankheiten. Im I-Ging

geht es also um die Wechselwirkung von Bewusstsein und Unterbewusstsein und die Einwirkung auf unseren Alltag.


Neben meinem persönlichen Standardwerk Werk von Carol K. Anthony und Hanna Moog "I-Ging- kosmisches Orakel" ist eines meiner liebsten Bücher zum I-Ging das von Dr. Joseph Murphy, dem 1922 in die USA ausgewanderten irischen Philosophen. Murphy hat sich bereits mit Themen wie Selbstvervollkommnung und Selbstverwirklichung beschäftigt, lange bevor sie in die breitere Gesellschaft getragen wurden. Man bezeichnet Murphy oft als den Vater des positiven Denkens.


Wie C.G Jung und Hermann Hesse hat auch ihn das chinesische Weisheitsbuch I-Ging fasziniert.

In diesem Zusammenhang ist es interessant zu hören, was er über das I-Ging sagte: "(...) es lehrt Sie die Kunst, wunderwirkende Kräfte des Unterbewusstseins zu benutzen." Wenn das kein Orakel ist!


Er erkannte, dass die tiefen Wahrheiten und kosmischen Prinzipien, die die alten chinesischen Weisen uns überliefert haben, zeitlos und über alle Religionen hinausgehend sind. Sie sind sozusagen ur-menschlich. Oder sollte ich sagen ur-kosmisch? Murphy spricht von der "magischen wandelnden Kraft", die uns helfen kann, Probleme zu lösen und uns an das Ziel unserer Wünsche bringen kann. Unser von Angst niedergehaltenen Geist kann von ihr geheilt werden. Durch unsere Fragen an das I-Ging erfahren wir, welche Zusammenhänge in den tieferen Schichten unseres Geistes zum Zeitpunkt des Fragens gegen oder für uns wirken.


Die chinesischen Weisen sahen in den Gegensätze dieser Welt das Prinzip (und die wunderbare Möglichkeit) stetigen Wandels. Auf Sonne folgt Regen, die Nacht folgt dem Tag, nach Hitze kommt Kälte, und etwas abstrakter gedacht, ziehen sich die Gegensätze weiter vom Männlichen zum Weiblichen, vom Bewussten zum Unbewussten, usw. Man könnte also sagen, dass Gegensätze durch aufeinanderprallen Veränderung und Bewegung erzeugen.


Wir haben in unserer modernen Gesellschaft eine Tendenz entwickelt, alles auf dem maximal angenehmen Pegel halten zu wollen. Nennen wir es Komfortzone. Nennen wir es totale Erschöpfung. Wir haben außerdem die Auseinandersetzung mit den Gegensätzen mit Angst belegt. Glaubenssätze wie "Das Leben ist ein ewiges Auf und Ab" suggerieren nichts als Anstrengung und anschließende Erschöpfung. Viele von uns haben den Punkt erreicht, an dem sie deshalb nichts mehr ändern wollen! Sie wollen diesen kräftezehrenden Aufwand nicht mehr betreiben. Weil sie- verständlicherweise- nicht mehr wissen, woher sie die Kraft nehmen sollen.


Murphy sieht die Quelle für diese lebensnotwendige Kraft in der Verbindung mit dem Kosmos. Wie oben schon erwähnt, sieht er diese Quelle als zeitlos und als unabhängig von jeglicher religiösen Lehre. Er versteht die Verbindung mit dem Kosmos als die Energie, die wir brauchen um Bewegung zu erzeugen. Vor allem Bewegung in unseren inneren Prozessen! Murphy war der Ansicht, dass wir selbst die Ankettung an eine Vergangenheit leicht loswerden können, wenn wir lernen, innere Bewegung zu erzeugen.


Er hatte schon früh erkannt, dass alles, was uns im Alltäglichen geschieht, im Grunde nur das widerspiegelt, was sich in unserem Unterbewusstsein regt. Er geht so weit zu sagen, dass unsere konkreten Erlebnisse das mathematisch getreue Spiegelbild unseres Bewusstseinszustandes sind. Das muss die Menschen seiner Zeit mehr als überrascht haben. Wir haben heute bereits mehr Informationen und die meisten von uns haben irgendwann schon einmal gehört, dass nichts in unserem Leben geschieht, was wir nicht- zumindest unbewusst- geistig steuern. Bevor etwas geschieht, haben wir also bereits eine Vorstellung davon. Diese Vorstellung wird zu unserer persönlichen Geschichte, denn sie beeinflusst alles, was geschieht


Ein kluger Kopf wie Murphy erkennt sofort die ungeheure Chance, die sich hinter derartigen Zusammenhängen verbirgt: Wir sind eben nicht die Opfer irgendwelcher Schicksalsschläge, sondern wir leben das Bild, welches wir von unserem Leben gemalt haben. Oft ohne es zu wissen, unbewusst.


Als positiv denkender Mensch sagt uns Murphy, dass wir jederzeit die Möglichkeit haben, uns dieses Prinzip zunutze zu machen: Wenn alles, was in unserem Leben geschieht, Ausdruck unseres tieferen Denkens ist, dann können wir umgekehrt durch Wandlung unserer inneren Haltung Veränderung erreichen.


Wenn wir also unser inneres Bild "verklekst" haben, dann brauchen wir Orientierung, wie es besser sein könnte, wo die Denkfehler liegen. Hier kommt das I-Ging ins Spiel. Das Buch der Wandlung zeigt uns auf, an welcher Stelle wir die Verbindung zum Kosmos haben abreißen lassen. Es gibt uns Anleitung, wie wir das wieder rückgängig machen können. Das gesamte Leben entspricht also der Vorstellung des I-Ging: Dadurch, das es ein Abweichen und ein wieder zurückkehren ist, ist es Fortschritt. Die alten Chinesen gehen soweit zu sagen, das diese Pendelbewegung sogar der Sinn unseres Lebens sei, denn so reichern wir gleichzeitig den Kosmos mit unseren Erfahrungen an. Was diese Einstellung von Religion unterscheidet ist die Tatsache, dass im I-Ging niemals von Schuld gesprochen wird.


Unser Denken und die anhängigen Verhaltensmuster zu ändern wird nicht von einer Sekunde zur anderen geschehen. Es ist ein Prozess. Diesen Prozess erlebt jeder Mensch anders, er ist vollkommen individuell. Was aber immer zutrifft, ist, dass er Veränderung bewirken kann und uns von der Schwere der Vergangenheit entlasten kann. Dieser Prozess ist die leise Bewegung vom bereits Geschehenen weg-- hin zu einem freundlichen Blick auf das mögliche Neue. Wir sind Selbstentscheider! Alles ist möglich!


Wer fragt, wird im I-Ging eine Orientierung finden.


Das ist einer der Gründe, warum ich im Coaching gerne auf das I-Ging zurückgreife. Ich überprüfe mich selbst und ich überprüfe die Situation, in der sich mein Klient befindet. In vieler Hinsicht stimmt das I-Ging mit meinem Coaching Ansatz- dem Focusing- überein: beide besagen, dass jeder Mensch über seine ureigene Wahrheit verfügt. Er muss nur den Zugang dazu finden. Das I-Ging nutzt dazu die alten Texte, das Focusing greift dazu auf das Körperwissen zurück.



Ich werde weitere Blogs zum I-Ging schreiben und wenn ihr konkrete Frage habt, beantworte ich sie gerne.


Ich grüße euch herzlich!

Bleibt gelassen,


Birgit



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Foto: charles-deluvio--unsplash


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