Ich finde immer einen Parkplatz


Hallo ihr Lieben,

Ja, "ich finde immer einen Parkplatz!" Ich habe Freunde, bei denen das so ist. Die leiern diesen Satz runter und – schwups – öffnet sich irgendeine Lücke und sie haben einen Parkplatz ergattert. Leichtherzig fahren sie in die engsten Innenstädte und machen sich keine Sorgen, denn- sie finden immer einen Parkplatz.


Bei mir ist das nicht so. Ganz im Gegenteil. Wenn ich irgendwo hinfahren muss und mich nicht ums Auto fahren drücken kann (was ich tue, so gut ich kann), dann fängt mein Herz schon an zu rasen, wenn ich mich meinem Bestimmunsgort nähere. Ich spreche über die Not eines HSPs, einer Hoch-Sensitiven-Person, wie ich eine bin. Für uns ist Parkplatz-suchen Stress pur.


HSP steht wie gesagt für Hoch-Sensitive-Person und ist charakterisiert durch eine besondere Art der Wahrnehmung, die angeboren ist und die sich von der anderer Menschen unterscheidet. Es ist eine Art Grundeinstellung des Gehirns und kein gelerntes Verhaltensmuster. Ein gutes Beispiel ist also diese Parkplatzsuche. Die Tatsache, dass hinter mir jemand drängelt, nah aufffährt und ich geanu weiß, er will auch genau diesen Parkplatz, ist einer der Momente, in dem sich diese Fühligkeit deutlich zeigt. Ich gerate dann derartig in Stress, dass ich in 9 von 10 Fällen einfach weiterfahre, dem anderen das Feld überlasse. Und – klar – mich ärgere. Aber ich kann dieses Energiefeld nicht aushalten.


Ich ernte erstaunte Blicke von meinen Beifahrern, "lass den doch, park halt ein!" sagen sie und verstehen kein bisschen, was gerade in mir vorgeht. In solchen Momenten der Über-Erregung, produziert mein Körper Cortisol wie verrückt und meine Wahrnehmung ändert sich. Ich höre jedes kleinste Geräusch, ich sehe jeden Bewegungsimpuls, und die Welt vor meiner Windschutzscheibe wird zu einer Art Wimmelbild. Hife, nichts wie weg hier.


Es dauert einige Momente, bis sich der Zustand wieder normalisiert hat. Und ja, irgendwann finde ich einen Parkplatz. Aber es macht keinen Spaß, oder? Ich bin als hochsentsitiv diagnostiziert und lerne – spät im Leben – damit umzugehen. Lange Zeit habe ich nicht über diese inneren Wirbel gessprochen, ich hatte ja keine Ahnung...! Und als ich es wusste, war mir klar, dass dieser Begriff vermutlich als "ach,...wieder was Neues" abgetan würde. Fakt ist, es ist eine angeborene Sache. Hypersensitiv. Es ist keine Krankheit, keine psychische Störung, es ist eine Art, wie das Gehirn "voreingestellt" ist, wie es Informationen aufnimmt und sie verarbeitet.


Worum es sich bei HSP handelt wurde auch erst vor relativ kurzer Zeit wissenschaftlich dargestellt, von Dr. Elaine Aron, zu der Zeit (1996) Research Psychologin an der Universität von Santa Cruz in Kalifornien.


Wenn man es ganz vereinfacht ausdrücken wollte, dann könnte man sagen, Informationen, die normalerweise gefiltert und vorsortiert werden, rutschen bei HSPs einfach durch. Sie fallen direkt in den Gefühlsbereich und tun dort ihre Wirkung: sie sind in jedem Fall stimulierend, auch wenn sie es inhaltlich gar nicht sind. Parkplatz suchen ist kein Hexenwerk, aber wenn viele Komponenten auf einmal erlebt werden, dann ensteht eine wirkungsvolle Über-Erregung. Die Sensoren schnellen hoch.


Spannend ist, dass man nicht nur in solchen Stress-Momenten als HSP wesentlich mehr Einzelheiten wahrnimmt, als – was soll ich sagen – normale Menschen.


Ich kann zum Beispiel deutlich wahrnehmen, ob der Mensch im Auto hinter mir diesen Parkplatz wirklich haben will, oder ob er einfach nur möchte, dass ich ihm Platz mache. Ich kann das sogar in meine Entscheidung einbeziehen: ob ich jetzt einfach versuche, die Lücke auf Anhieb zu treffen, oder ob ich in Kauf nehme, noch 10 - 20 Mal um im den Block zu fahren. Ich nehme auch wahr, ob im dritten Stock jemand aus dem Fenster guckt und mir zuschaut. Und je mehr ich mich beobachtet fühle, um so unwahrscheinlicher ist es, dass ich diese Parklücke auf Anhieb bewältigen werde. (Obwohl ich gut Auto fahre, das mal nebenbei.)


"Ich finde immer einen Parkplatz" macht mich rasend. Weil es eine der vielen Schnittstellen ist, wo ich eben anders funktioniere. Inzwischen gehe ich gelassener damit um, ich weiß um die inneren Vorgänge, ich weiß um den Stress, der scheinbar wegen nichts entstehen kann und ich sammle immer Erfahrung, wir man effektiv gegensteuert.


Ich bin ein gut funktionierender Mensch, man sieht mir die HSP nicht an, aber ich fühle es. Ich habe mein Leben entsprechend eingerichtet. Genaugenommen, war das ein fast automatischer Prozess, ich habe Druck wahrgenommen und mir überlegt, "wie könnte ich das besser gestalten?" Ich habe einige Optimierungen gemacht, die mir helfen, mein bestes Leben zu leben. So, wie ich es mir für meine Klienten wünsche! Ich nutze meine erhöhte intuitive Fähigkeit, weil ich spüren kann, wo meine Klienten sich befinden.


So hat sich ganz natürlich ergeben, dass ich online arbeite. Ich brauche den physischen Raum – meine heiß geliebte Garten-Hütte – für mich allein, aber teile meine Arbeit sehr gerne mit euch, ganz gleich in welchen Teil der Welt ihr euch befindet.


Aus der Hütte, an einem Sommeregen Sonntag liebe Grüße!


Und wen es interessiert: Dr. Elaine Aron








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