Schütze das Zarte in dir


Unsere Seele sucht Schutz. Wie diese schönen Gänseblümchen in dem Glas. Sie braucht Transparenz und Liebe.
Die Eroberung der inneren Welt

Wir sind meistens so sehr mit dem Leben beschäftigt, das wir unserem Inneren kaum Aufmerksamkeit schenken. Nicht genug. Dieses Innere ist aber ein sehr feines und zartes Gebilde, wie immer man es nennen mag. Die meisten nennen es Seele. Sie ist die Verbindung zu unserem größer gedachten Selbst, sie ist der Spiegel in Vergangenheit und Zukunft, sie hat Kratzer von alten Verletzungen und sie hat die Kraft zur unbändige Freude.


Liebe Leser*innen,

Was genau die Seele ist, darüber haben klügere Menschen als ich philosophiert und sogar gestritten. Als Focusing Coach beschäftige ich mich viel mit inneren Räumen und so war es kein weiter Weg, mir das zarte Gebilde Seele als inneren Raum vorzustellen.


Ich habe es Das Innere Haus genannt.


Dieses innere Haus ist so eine Art Wohlfühl Barometer. Es zeigt uns, wie gut wir uns gerade wirklich fühlen (und es ist gnadenlos ehrlich!). Manchmal zeigt es auch einen nicht so wohlen Zustand!) Anfangs ist das öfter so, aber es wird mit jedem Besuch besser, glaubt mir.


Man kann dieses innere Haus besuchen, gedacht natürlich, und nachsehen, was dort geheilt werden will. Dort liegt Vieles herum, was längst nicht mehr gebraucht wird, was wir dennoch mit uns herumschleppen. Unausgesprochenes. Ungesehene Wünsche so wie nie vergessene Wunden.

Ein Besuch in deinem inneren Haus ist eine effektive Möglichkeit, dich zu fragen: "Was kann denn für immer weg?" " Welche Annahmen über mich selbst brauche ich absolut gar nicht mehr...? und "welchen Wunsch kann ich mir denn erfüllen...?"


Wenn dir das zu abstrakt klingt, möchte ich dir meinen Podcast Das Innere Haus ans Herz legen, er enthält eine 15 minütigen Meditation, wie du dort hingelangen kannst. Der Podcast führt dich in deine innere Welt. jeder wird sein inneres Haus finden, wird erleben, wo es steht und wie es aussieht. Jeder hat sein eigenes, unverwechselbares Häuschen.


Ich hatte kein klares Bild davon, wie mein inneres Haus aussehen würde. (Und über die Zeit hat es sich verändert!) Gerade ist es mal aus Holz, knallrot angestrichen und es steht an einem Berghang umringt von bunten Laubbäumen. Ob ich da schon mal gewohnt habe? Ja und nein. Ich echt noch nie, aber meine Seele macht dort Urlaub. So oft sie kann. Als ich das erste Mal dorthin gereist bin (in der Meditation), war es eine Müllhalde, die Farbe war abgeblättert und das Dach hing schief...


Wahrscheinlich wird euer erster Besuch euch auch solche Überraschungen bescheren. In diesem inneren Haus wirst du eine Menge Dinge vorfinden! Manches hattest du vollkommen vergessen, aber es liegt tatsächlich immer noch da rum! Gerümpel aus alter Zeit, Symbole von Momenten, die dich verletzt haben und auch Erinnerungen an grandiose Erlebnisse. Manches braucht einen guten Platz, damit wir es in unserem Leben verankern können. Anderes kann weg! Ohne Nachdenken: einfach weg!


Als ich das erste Mal mein Inneres Haus besucht habe, war ich vollkommen enttäuscht wo es stand. Auf einer unansehnlichen, gräulich-weißen Klippe. Es war schwer zu erreichen und nicht mal schön. "Hier?" habe ich enttäuscht gefragt und wollte eigentlich schon wieder gehen.


Aber ich habe mich aufgerafft und bin dorthin gekraxelt. Ich bin uns Haus herum gelaufen und habe schließlich die verwitterte Haustür aufgeschoben. Innen herrschte Chaos. "Wieso", dachte ich, "ich bin doch ein ordentlicher Mensch!!!" Es hat modrig gerochen und ich habe viele alte Gegenstände gesehen, die ich wiedererkannt habe. Zumindest waren sie entweder mit einem bestimmten Geruch oder einem bekannten Gefühl verbunden.


Dann habe ich aufgeräumt. Ich habe radikal alles rausgeschmissen, was ich nicht mehr brauche. Das Tolle am Inneren Haus ist, dass nichts logisch ist. Was ich rauswerfe liegt nicht etwa im Vorgarten, sondern es verschwindet einfach. Mein Zauberhaus.


Dann habe ich geputzt. In der Welt der Vorstellung geht das rasend schnell und ohne Mühe. Ich habe mir das Fenster vorgenommen. Zerbrochenes Glas. "Was, dachte ich, "so schaue ich auf die Welt?" Mein innerer Handwerker hat auf meinen Wunsch blitzschnell eine neue Scheibe eingesetzt und der Raum begann zu leuchten.


Ich habe mich weiter umgesehen und einen alten Sessel erspäht. Als ich mich hineinfallen ließ, saß ich hüstelnd in einer Staubwolke. Dann konnte ich erkennen, dass die Decke rissig war und unablässig Kalk von oben bröckelte. Okay, ich habe den Inneren Maurer gerufen, um das vernachlässigte Gemäuer zu reparieren. Wenn dich die Frage "warum?" umtreibt, bekommst du übrigens auch eine Antwort.


Endlich konnte ich mal in Ruhe sitzen. Die Beine von mir strecken und meinen persönlichsten Raum wahrnehmen. Das war ein ziemlich neues und ein sehr gutes Gefühl. Wenn man merkt, was alles möglich ist, wird man schnell übermütig. Ich habe mir zum Beispiel erlaubt, durch meine Blutgefäße zu rauschen wie auf einer Achterbahn. Beim ersten Mal habe ich noch nicht so viel wahrgenommen, aber die nächsten Male – ihr seht schon, ich komme jetzt regelmäßig hierher – konnte ich meinen Körper von innen wahrnehmen. Ich kann jetzt sehen, wo etwas repariert werden muss, wenn etwas repariert werden muss. Meistens ist das nicht der Fall. Letztens hatte ich Ekzem am Zeigefinder und da habe ich (im Haus) gesehen, dass ich etwas Altes, Glibberiges krampfhaft in der Hand festgehalten habe. Ich habe es weggeworfen und so konnte das Ekzem schnell heilen.


Also die Fahrt durch den Körper war ein gigantischer Ritt. Ich habe meine Organe begrüßt, habe meinen Gelenken Mut zugerufen und letztlich eine richtig feste Verbindung zu meinem eigenen Körper geschaffen.

Heute – während ich euch schreibe – sitze ich wieder im Ohrensessel. Inzwischen gibt´s hier WLAN. Das Fenster reicht inzwischen über die ganze Front und ich sehe in dunkelblauer Tiefe das Meer. (Ich sag ja, es verändert sich...) Weiße Locken schwingen in regelmäßigen Abständen über das Wasser. Ich lausche dem Wellengang. Es riecht nach Sommer. Alles fühlt sich leicht und unbeschwert an.


Ich bin froh, dass ich so viel (imaginäre) Zeit investiert habe und dass meine Inneren Handwerker mir so viel geholfen haben. (Ein kleines Danke an dieser Stelle!) Ein schönes, warmes Gefühl von Verbundenheit hüllt mich ein wie eine leichte Wolldecke. Ich fühle mich verstanden, umarmt und geliebt. Habe ich das geschafft?


Die Stimme meines Sessels (ja, er kann sprechen) lacht. "Ja, das hast du!" lobt er mich. Ich möchte jetzt keine unnötig dummen Fragen stellen, aber der Sessel hat mich schon verstanden. "Du hast darauf geachtet, was du wahrnimmst. Du hast darauf geachtet, was du aussendest und du hast darauf geachtet, dass du eine Innere Ordnung schaffst, die auch für andere Menschen zugänglich ist..."

So gesehen--


Ich gehe nach draußen und stelle fest, dass mein Inneres Haus jetzt in einer verschneiten Berglandschaft steht. Ich müsste frösteln, tue ich aber nicht. Ich lasse mich verwundert in den Schaukelstuhl fallen, der auf der Veranda steht. Ich habe plötzlich eine völlig neue Perspektive. Höhe. Und gerade als ich mich fragen will, wie ich denn jetzt hierhin komme, höre ich die innere Stimme, die sagt" Mut, du brauchst jetzt ein bisschen Mut und etwas Überblick!"

Leicht beunruhigt nicke ich.


Mir fällt plötzlich ein, dass mir gestern eine neue Idee für meine Arbeit gekommen ist. Das leichte Schwindelgefühl – irgendetwas zwischen Aufgeregtheit und Ängstlichkeit – passt richtig gut zur Landschaft. Dann weiß ich auf einmal, dass mein Inneres Haus mir etwas zeigen will:


Ich sehe eine Lawine, die den Berg hinunter donnert. Aber in weiter (sicherer) Ferne. Scheint mich nicht zu betreffen. Dann sehe ich einen alpinen Künstler, einen Skifahrer, der durch Pulverschnee tobt – ungehindert von Erdanziehung. Er schwebt! Und mir ist, als wäre ich das! (ich habe nicht einmal Skier), aber ich fliege dahin, in großen Schwüngen, schwerelos und mit einer Leichtigkeit, dass mir schwindelig wird.


Ich denke an meine neuen Pläne und verstehe, dass sie etwas Waghalsiges an sich haben, aber ich fühle auch, dass ich es bewältigen werde. Ich mache das Gefühl fest, verankere dieses Bild in mir. Ich werde es hin und wieder brauchen.


Ich danke meinem Inneren Haus, dass es mir diese Bilder gezeigt hat und für heute ist mein Besuch zu Ende. Ich verschließe die Eingangstür, lege den Schlüssel unter einen Blumentopf und begebe mich an die Verrichtung der Dinge. Ich habe gute Laune, Schwung und fühle mich getragen...


Ich bin sicher, dass es euch ähnlich ergehen wird. Werdet ihr in den Kommentar schreiben und uns alle wissen lassen, wie es euch in eurem inneren Haus ergangen ist? Das wäre super.

Danke. Hier noch mal der Link zum Podcast.


Ich grüße euch herzlich,

Birgit



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