Schon wieder Weihnachten! Anleitung zur Verweigerung.

Aktualisiert: Mai 24


Schon wieder Weihnachten! Wahrscheinlich ist es schon wieder zu spät für gute Geschenke. Oh nein, die tollen Ideen für das Besondere sind mal wieder aufs nächste Jahr verschoben.

Das Schöne, die Lichter, die herrlichen Gerüche, das Lachen auf dem Weihnachtsmarkt, alles wieder in weite Ferne gerutscht. Basteln? Gemeinsam basteln? Lang, lang ist´s her...

Mir kommt die Erinnerung, dass ich beim Strohsterne basteln das erste Mal in meinem Leben das Bügeleisen handhaben durfte. Eine nachhaltige Erfahrung (ich bügele heute immer noch gerne, im Ernst!). Aber ich bastele schon lange keine Strohsterne mehr, ich horte nicht einmal mehr Weihnachtsdeko, ich kauf auch keine neue mehr, es ist mir einfach alles zu viel!

Was ist nur los mit mir?


Überdruss! Das ist los mit mir.

Und schon präsentiert mir das Leben eine neue Möglichkeit zu lernen. Ich trete mit voller Kraft auf die Bremse und denke nach. Ein Gang durch die Natur und ich sortiere all die to- dos und die bloß- nicht- to- dos. Und ganz langsam trennt sich das Wesentliche vom Unwesentlichen. Ich überlege mir, was ich alles weglassen könnte und mit wem ich darüber sprechen müsste, damit es einigermaßen harmonisch abläuft- das Weihnachtsfest.

Als erstes: Reduzierung der Geschenke. Bei welchen Menschen (bei mir sind es beispielsweise die Schwiegereltern) könnte eine Geste viel mehr bewirken, als eine Body Lotion und die zigste Flasche Grappa?

Lacht nicht, aber die kleine Mundorgel fällt mir ein. Das kleine lila Büchlein aus grobem Karton, in dem alle Liedertexte standen. Wo ist das bloß geblieben? Was wäre, wenn ich ein neues Exemplar auftreiben würde und das Geschenk heißt: wir singen zusammen. Dann haben wir auch gleich die Texte. Das gemeinsame ins Liederbuch-blicken bringt Nähe und Freude.

Das weiß ich, weil an irgendeinem unspektakulären Geburtstag vor spektakulär vielen Jahren, uns- rein zufällig- die kleine Mundorgel in die Hände fiel. Lag irgendwo rum. Und es wurde der schönste Geburtstag, an den wir uns immer und immer erinnern werden. Die Omas haben angefangen, glockenklare Stimmen und tonfest, ja, sie haben ihr Leben lang gesungen! Die Opas und Onkels haben gelacht und Witze gemacht, aber nicht lange. Dann haben sie eingestimmt. Wir haben schöne und unsinige Lieder gesungen. "Heiß brennt die Äquatorsonne" und so´n Quatsch. Es war herrlich. Wisst ihr eigentlich, was da für ein Schatz liegt?

Das ist nur eine der vielen Ideen, die mir beim Laufen gekommen sind.


Dann dache ich an ein Koch Event. Vielleicht eine Motto Veranstaltung, "Das Essen darf nicht mehr als 10 Euro pro Person kosten" oder so. Das zwingt zur Vereinfachung und regt ungeheuer die Fantasie an! Denkt aber vorher über die Größe eurer Küche nach. wenn mehrer Personen plötzlich werkeln, kann´s eng werden. Bei mir geht das gar nicht. Also auf zur nächsten Idee:


Was mir immer wieder einfällt, sind die Kreisgeschichten. Einer fängt an und der nächste erzählt weiter. Das ist ein uraltes Ritual. So wurden früher Fremde geprüft, bevor sie sich ans Lagerfeuer setzen durften. Man prüfte so, ob man in die gleiche Richtung denkt. Und man erfuhr viel vom anderen. Davor haben wir natürlich heute Angst. Bloß nichts Persönliches hergeben. Wir sind so angepasst, manchmal macht´s mich wütend.

Wir haben technisch gesehen die größten Möglichkeiten, die die Menschheit je geschaffen hat. Was tun wir damit? Wir bauen innere Gefängnisse. "Das darf nicht", "jenes ist uncool", "das macht man nicht!" Wer ist eigentlich dieser "man".


Wir waren ja bei Weihnachten.

Mir fällt so viel ein. So viel Einfaches, so viel Geselliges. Tante Google kann bestimmt helfen.

Es muss nur gut kommuniziert werden. Nicht, dass einer unwissend und beladen mit glitzernden Schachten und Schleifen dumm dasteht. Ist mir nämlich auch schon passiert.


Worüber man auf jeden Fall nachdenken muss, ist eine Art "penalty"; eine kleine Abstrafung für die Zuwiderhandelnden. Da fällt mir nämlich ein, dass wir eines weihnachtlichen Anlasses das Geschenk für unsere damals vierjährige Tochter auf nur eines reduziert hatten: sie wünschte sich so sehr einen bestimmten, großen (und teuren) Teddybär, dass wir beschlossen haben, dass wir alle zusammenlegen. Das haben wir dem Kind auch so vermittelt. Und alles wäre gut gewesen, wenn nicht alle versucht hätten, sich doch noch eine "besondere" Stellung zu erobern. Die eine Oma kam mit einem "Korb" für den Bären (voller kleiner Spielzeuge, haha) die andere band dem Bär noch schnell etwas "Kleines" um den Hals ! Vier Pfoten, ein Hals, das machte insgesamt schon 5 mal Ungehorsam!

Und das Fest war gelaufen!

Die Kleine hat bitterlich geweint, weil sie nicht wusste, welchem Geschenk sie sich zuwenden sollte. Das Streben der Erwachsen danach besonders sein zu wollen, war lieb gemeint, aber erbärmlich.

Ich gebe das gerne so an euch weiter und freue mich, wenn ein Kind mit leuchtenden Augen sich auf ein besonderes Geschenk freuen darf.


Wenn sich beim ersten Versuch die Essensmengen noch nicht wirklich einschränken lassen, dann ist mir noch etwas eingefallen. Wir haben mal am 26.12. eine leftover Party gemacht. Spontan, damals. Nicht sollte eigens hergerichtet werden, sondern wir wollten wirklich alles teilen, was so übrig geblieben war.

Ich sage euch, es war fantastisch. Ohne Mühe, ohne Erwartungen, ohne Zwänge. Ich glaube mich zu erinnern, dass wir sogar versucht haben Mah Jjong zu spielen, aber an der schlechten Übersetzung der Spielregeln gescheitert sind.

Schade, es sind so hübsche Steine.


Also, schon wieder Weihnachten! Ich ermutige euch zu Ungehorsam. Tut mal etwas, was so gar nicht in die Erwartung passt. Aber Vorsicht, nehmt alle Beteiligten mit auf diese Abenteuerreise.


Ich wünsche euch eine kreative Vorweihnachtszeit und bin gespannt zu hören, was ihr noch so für Querulanten-Ideen habt!


Bleibt entspannt!


Liebe Grüße

Birgit













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