Tornados und Oktopusse

Aktualisiert: 9. Juni



Hallo ihr Lieben,

Ich spreche heute über Tornados und Oktopusse! Mal was anderes, oder?


Fangen wir mit dem Tornado an. Nicht zuletzt, weil ich immer noch ein Riesenfan des Films TWISTER bin und ich mir damals auch hätte vorstellen können, als Tornadojäger unterwegs zu sein! So wie im Film: eine handvoll verrückter Wissenschaftler, in erträglicher Weise durchgeknallt, lebensfroh, unabhängig, unzähmbar, hochprofessionell und total zuverlässig. Gute Freunde.


Naja, manche Träume lässt man hinter sich, nicht zuletzt, weil sie kurzlebig sind. Es ist eine Kunst das zu unterscheiden. Deshalb bin ich Lifecoach geworden. Um anderen zu helfen zu unterscheiden, wo will ich wirklich, wirklich hin im Leben?


Diejenigen von euch, die schon länger meine Blogs lesen, wissen, dass ich viele Jahre als Regisseurin gearbeitet habe, und am Set waren Tornado-Zustände normal. Jedes kleinste Vorkommnis hatte immer riesige Auswirkungen und man musste es irgendwie lösen.


Unsere Gesellschaft fordert schnelle Entscheidungen. In allen belangen. Und wer nicht schnell entscheidet, ist eben nicht qualifiziert, dem fehlt der Überblick, er ist nicht auf der Höhe. Er fällt zurück. Diese Prozesse wirken in unserem persönlichen Lebensraum nach. In unseren Beziehungen, manchmal als tiefe Unzufriedenheit (trotz aller materieller Kompensationen), als Gefühl von Sinnlosigkeit und manchmal sendet der Körper uns ungute Signale!


Als Coach höre ich dann von Schlaflosigkeit, schwerem Gemüt und Energieverlust. Und während ich genau zuhöre – auch das höre, was zwischen den Zeilen durchdringt – achte ich auf die Sprache. Welche Wörter kommen auffällig oft vor, welche Wörter kommen in ungewöhnlichem Kontext vor?

Tornado zum Beispiel.


Sein Leben als Tornado zu beschreiben, ist eine emotionale Zustandsbeschreibung.

Solchen Schlüsselwörtern gehe ich nach. Ich personifiziere diese Metaphern. Ich bitte den Klienten sich – in diesem Fall – in seinen Tornado hineinzuversetzen, zum Tornado zu werden. Es erfordert etwas Mut, sich auf so etwas einzulassen. Ein bisschen wie Improv Theater. Und genau so spannend, überraschend und wirkungsvoll ist es!


Mir gegenüber sitzt also ein Tornado.

Tief versunken. Ich frage, warum er – der Tornado – im Leben meines Klienten auftaucht. Dann warte ich, wie ich es aus dem Focusing kenne. Der Körper braucht eben einen Moment, um uns sein tiefes inneres Wissen zu vermitteln. Oder anders ausgedrückt: wir brauchen einen Moment, um ihn zu verstehen...


Der Tornado erklärt nun seine Bedeutung in dieser konkreten Lebenssitution:

Er bestehe aus kleinsten Partikeln, die durch eine äußere Kraft aufgetrieben werden. Vergleichbar mit den wilden, angstvollen Gedanken (hier) um eine berufliche Situation. Er beschreibt seinen nicht planbaren Verlauf, seine Bahn der Willkür und er beschreibt Kontorllverlustes.


Dann beschreibt der Tornado, wie schwere Gedanken auf eine Tornado-artige Bahn geraten, die der Mensch nicht mehr kontrollieren kann. Ich bin Coach, ich hake nach. Bis der Tornado ein klares Bild vermittelt hat: Aus einem Gefühl des Kontrollverlustes wurde Überwältigung, dann Hilflosigkeit, dann Resignation. Ein ermüdender innerer Vorgang! Einer, der Schlaf, Kraft und Lebensfreude raubt.


Wir verlassen das Rollenspiel und ich sehe, dass es in meinem Klienten wirkt. Er sprudelt regelrecht vor Inspiration. Er entwickelt mit plötzlicher Klarheit ein Verständnis für sich selbst. Wir sprechen darüber, wie er diese Erkenntnisse mit in seinen Alltag mitnehmen kann.

Und ich bin wieder einmal unendlich dankbar für diese innere Welt, die unsere Lebens-Prozesse so klar beschreibt.


Der Oktopus wirkt jetzt wahrscheinlich längst nicht mehr befremdlich.


Der Oktopus namens "Amanda" lag einem "ich-schaff-das-nicht" Thema zugrunde. Gefragt, ob er sich näher erklären könnte, erschuf er einen kleinen Film: Ein ängstliches Ich fiel unaufhaltsam auf den Grund des Meeres. Atmen war – wie im Traum – möglich, aber die Person konnte sich nicht bewegen. Stocksteif sank sie immer tiefer hinab. Dann erschien aus dem Nichts Amanda und hob sie hoch. Es muss ein einmaliges Gefühl gewesen sein, ich konnte es dem Gesicht ablesen.


Amanda war eine übermütige Vertreterin ihrer Gattung, wechselte mehrmals die Farbe und spielte herum. Gefragt, was sie uns sagen wolle, kommunizierte sie, sie wolle uns Leichtigkeit und Flexibilität in Erinnerung rufen. Die innere Versteifung habe diese Lebens-Schwere erzeugt und dann sinke man eben. Achselzucken. Das sagend, verknotete sie ihre pinken Tentakel zu einer Girlie-Frisur und ich sah mein Gegenüber schallend lachen. Eine neue Selbstwahrnehmung.


Die Botschaften des Oktopus haben noch lange nachgewirkt. Die Klientin kaufte sich eine kleines Figürchen und sobald sie wieder das Gefühl von Überwältigung anflog, stattete sie Amanda einen virtuellen Besuch ab. Ein kurzes spielerisches Tauchbad regeneriert die düstere Stimmung und hilft ihr wieder in ihre Mitte zu kommen.


Tornados und Oktopusses- du wirst überrascht sein, wie sich dein inneres Bild repräsentieren würde.


Ich danke euch für euer Interesse und wünsche euch klärende Begegnungen mit den Bildern eurer Seele. Fühlt euch wohl und widmet euch genügend Aufmerksankeit. So viel Zeit muss sein.


Herzliche Grüße,


Birgit












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