WARUM WIR STREITEN

Aktualisiert: 25. März 2021


Hallo zusammen, willkommen!

Irgendwie habe ich in der letzten Woche viel Streit gesehen. Ausgesprochenen (das geht ja noch) und unausgesprochenen (das geht gar nicht). Wutbälle flogen tief im Raum und ich habe mich gefragt, "was ist eigentlich los?"

Dann brannte vorgestern Abend der Himmel. Am Neumond. Da dachte ich: "sind die da oben jetzt auch noch wütend?" und habe beschlossen, mir das Thema Streiten mal genauer anzusehen.


Als Coach beobachte ich immer wieder, dass die eigentlich Ursache für einen Streit selten auf der faktischen Ebene liegt. Es geht weder um den Walnussbaum, der über die Grundstücksgrenze ragt, es geht nicht um die genommene Vorfahrt, es geht eigentlich auch nicht um den Ausgang eines Rechtsstreites. Es geht nicht wirklich um das Gesagte/Getane, es geht eigentlich um das darüber Gefühlte.


Ja, die Streitliste ist lang, dumpf, schwer und leider beliebig verlängerbar. Sie gehorcht selten der Vernunft und sie macht uns- weniger selten!- krank. Und ehrlich gesagt ist auch niemand gefeit davor: plötzlich auszurasten oder plötzlich angefeindet zu werden. Es ist ein bisschen so, als ob die stürmisch See ganz plötzlich an die Kaimauer schlägt. Wir streiten mit Fremden, Freunden, Geliebten, Kollegen, Lehrern und mit der Familie. Wir streiten um Dinge, um Rechte und um vermeintliche Schäden. Die (Frieden bringende) Frage stellt sich, worum es wirklich gehen könnte. Jenseits des Streitpunktes.


Ich glaube, dass es in den meisten Fällen um dieses Dahinterliegende geht. Es geht darum, dass wir Vorbildern und vor allem Selbstbildern folgen, die wir untermauern, verteidigen und auf keinen Fall in Frage stellen wollen. Wir scheuen wenig Mühe und fahren große Geschütze auf für die Aufrechterhaltung solcher Bilder. Sie erscheinen uns so real, dass wir relativ wenig Energie dahin geben, sie zu hinterfragen. Ich glaube auch, dass wir uns dessen nicht immer bewusst sind. Solche Selbstbilder schleichen sich ein, werden zu einer selbstständigen Realität und manchmal

braucht es einen Außenstehenden, um uns auf die bloße Existenz eines verschrobenen Selbstbilds aufmerksam zu machen.


Wer schon mal einen meiner Blogs gelesen hat, der weiß jetzt schon, dass ich mich gerne mit dem kosmischen I - Ging beschäftige. Und natürlich kommt es auch zu diesem Thema zum Tragen. Ich persönlich rufe in einem Streitfall den Weisen/das Weise an. Verstehen wir es für jetzt als ein wohlwollendes, hilfreiches und wissendes Feld. Ich verbinde mich damit, und ich erhalte alle für mich in dieser Situation relevanten Informationen.


{Da ich hier nicht tiefer auf den Weisen eingehen möchte, verweise ich auf einen tollen Podcast mit der Autorin des kosmischen I - Gings, Hanna Moog. In diesem Podcast geht es um den Weisen.}


Wir kennen diese Form der Verbindung- in etwas anderer Form- auch aus dem Focusing*. Dort verbinden wir uns mit dem Körperwissen und erhalten Informationen dazu, was für uns wirklich wichtig ist. Ich tue beides. Ich focuse und ich frage den Weisen. Jedes hat seine Zeit.

Wenn ich heute meiner Beobachtung um Streitereien nachgehe, also einem eher abstrakten, übergreifenden Gefühl, wende ich mich dem I - Ging zu. Ich frage das weise Feld, was es mir sagen kann. Es ist einfach, wie das Focusing* auch. Es stehen jeweils die Belange und Bedürfnisse des Fragestellenden im Vordergrund und kein vorgefertigtes Konzept. Im Focusing spricht sozusagen das Körperwissen zu uns; über den Weisen im I - Ging spricht unsere tiefe, innere Wahrheit zu uns. Und sie müssen sich nicht einmal unterscheiden, das ist spannend.


Das I - Ging schenkt uns vielleicht ein etwas größeres Weltbild, eine einfache, nicht-hierarchische Kosmologie. Es gibt hier eine Reihe sehr einfacher und einleuchtender kosmischer Prinzipien. Es ist kein Regelwerk, es sind keine Gesetzestafeln, es gibt kein WIR- Denken. Besonders letzterer Punkt ist mir immer wieder wichtig: dieser Wir-Gedanke, der sich vom Klan Denken bis in unsere hochentwickelten Kulturen geschmuggelt hat, ist immer ein ausgrenzender. Du gehörst dazu oder du gehörst nicht dazu. Das macht uns anfällig für angepasstes Verhalten, auch wenn es nicht gut für uns ist. Manchmal wird uns die Absurdität solchen Verhaltens bewusst, wenn wir die Chance haben, anderen Kulturen zu begegnen, die das ganz anders handhaben.


Ich selber gehe von einem Leitbild aus, nach dem es so etwas wie eine kosmische Harmonie gibt. Sie ist- mit etwas Übung- für uns gut erfassbar. Ich sollte korrekterweise sagen: wieder erfassbar, denn als kleine Kinder haben wir das mühelos gekonnt!

Danach hat man uns viel in den Kopf geschüttet. Auch zu einer Zeit, wo wir uns noch nicht dagegen wehren konnten. Klar, das wissen wir. Schauen wir also nach vorne: