WIEDER MAL BEI DEN SPIRITS GEWESEN

Aktualisiert: 25. März 2021


Ich könnte jetzt ein Gewinnspiel aufrufen: "Wer erkennt, was er sieht...?"

Und genau darum geht es in diesem Blog! Um das Erkennen dessen, was man eigentlich sieht.


Erst einmal ein herzliches "Hallo ihr Lieben"!


Ich spanne euch nicht lange auf die Folter: Im Vordergrund das verglühende Feuer. Alle Großmütterchen und Großväterchen liegen wohlig im Bauch der Hütte. Die seht ihr als blaues Gespenst im Hintergrund. Der Schamane – in modern times – mit LED Taschenlampe ausgerüstet, durchsucht noch einmal die Schwitzhütte, ob etwas liegengeblieben ist. Dann wird dieser Tag verglimmen. Die Spirits aber, die bleiben noch...


Der Schamane– völlig erschöpft, wie wir alle – torkelt über das wildbewachsene Gelände, vorbei an den Gänsen, die umherflattern wie dicke Gespenster, vorbei an den drei Schafen, die ins Leere blöken. Er folgt der Lichterkette, die er am frühen Tag ausgelegt hat, um jetzt – nach dem Besuch einer anderen Welt – sicher ins Haus zurückzufinden. Es gibt so viele Welten.


Die Arbeit, die er im Vorfeld bereits geleistet hat, ist mit ein Grund, warum diese Schwitzhütte weder ihren besonderen Charakter hatte. Jedes Mal anders, jedes Mal überraschend, immer intensiv. Die Zusammenstellung der Menschen mag uns Teilnehmenden zufällig erscheinen, doch zeigt sich dem Schamanen schon früh ein Bild. Es ist nicht etwa Hellsichtigkeit, die ihn ahnen lässt, wer oder was kommen wird, es ist vielmehr seine Verbindung mit den Spirits.

Nein, er kennt nicht die Namen derer, die wirklich kommen, noch die derjenigen, die – etwas respektlos– einfach unangemeldet kommen. Er kennt das Thema, das im Feld liegt und er weiß, dass alle die gekommen sind, in der ein oder anderen Weise an diesem Thema zu arbeiten haben. Heute ist Equinox, Tagundnachtgleiche.


Die Tagundnachtgleiche ist so etwas wie ein Spalt zwischen den Welten. Raum genug um ins Unbekannte hinüber zu lugen. Der Schamane hat uns eingestimmt. In einem wunderschönen Text beschreibt er uns, was anliegt. Die Angst, die – unter anderem – Corona in uns auslöst; die neuen Wege, die wir gehen werden und müssen, er spricht über Verantwortlichkeit gegenüber Mutter Erde und darüber, dass es allerhöchste Zeit ist, die Spirits zu hören! Er erinnert uns, dass wir jetzt – nach der Tagundnachtgleiche – in die dunkle Zeit rutschen werden, die dem Stadtvolk Unbehagen verursacht, denn es melden sich vielleicht unbeachtete Stimmen. In Form von Gefühlen, Erinnerungen, Sehnsüchten. Der Körper meldet sich. Er ist vermutlich überfüttert, schlecht geölt und toplastig. Soll heißen, wir schenken nur dem Beachtung, was in der äußeren Welt tobt, wir hören weder die Gesänge von Mutter Erde, noch die wohlwollenden Hilfeangebote aus dem Kosmos. Nein, wir donnern selbstgesteuert und mit blinder Zuversicht ins Leere.


Kein Wunder, dass Angst immer noch ein Thema ist. Sie kommt zu jeder Zeit im geeigneten Kostüm und vielfältiger Gestalt.


Bei noch hochsommerlichen 30° stehen wir beinander. Alle die gerufen wurden. Scheue Blicke gehen hin und her. Der Schamane hingegen wirkt heiter, entspannt und spricht mit dem Feuermann. Das ist ein sehr verantwortungsvolles Amt und erfordert Konzentration, Kraft und Ausdauer. Es erfordert eine tiefe Verbindung zum Schamanen, denn wir arbeiten hier mit der Feuerkraft. Die ist intensiv, explosiv und immer irgendwie unberechenbar.


Über der Grube liegen bereits die Holzbalken, die später die Steine – die Großmütterchen und Großväterchen – tragen werden. Im Hintergrund ist sorgsam das Feuerholz aufgestapelt, dass unter den Steinturm geschoben wird, wenn erstmal alle Steine liegen. Kräuterbüschel liegen bereits, um die heißen Steine von der Asche zu befreien. Die Mistgabel, um die glühenden Steine sorgsam und nach Anweisung des Schamanen in der Hütte zu schieben. Aber erst einmal zündet der Feuermann einen Kräuterreisig an und weiht die Feuerstelle. Beifuss heute.


Der Schamane baut den Altar auf, der in östlicher Richtung zur Feuerstelle steht, etwas seitlich zur Hütte, die zu diesem Zeitpunkt nur ein Gerippe aus gebundenen Zweigen ist. Wir alle haben etwas mitgebracht für den Altar. Er ist schön dieses Mal, bunte Blumen, Kräuter, Glitzer, Holz und Klanginstrumente. Alles dabei.


Ich überspringe die Vorstellungsrunden, die einführenden Worte des Schamanen, seine Lieder und seine aufmunternden Worte zu uns und zu den Spirits.


Der Schamane bittet uns, die Steine aus der Hütte zu holen, wo sie seit dem letzten Mal verblieben sind. Dicke, schwere Basaltsteine, zum Teil sc