Die Raunächte und das I-Ging / Folge 12

Sun/Kun HX 46 Das Empordringen / Emporgehoben werden

 

Ihr Lieben, hallo!

Seid ihr bereit für die letzte Etappe? Am Montag wird alles, was wir hinter uns lassen wollen, dem heiligen Feuer übergeben.

Vielleicht findest du an diesem Wochenende etwas Zeit für dich und kannst noch einmal durch deine Aufzeichnungen gehen. Gibt es noch etwas, was du nachlesen oder vertiefen möchtest? Ich habe alle BLOG Folgen unter diesem Link eingestellt. Hier noch einmal die Anleitung (Folge 0) für die Feuerzeremonie bei dir zuhause, im winterlichen Garten, geschützt auf dem Balkon oder an einem anderen (bitte feuersicheren!) Ort, an dem du dich wohlfühlst.

 

Als letztes Hexagramm dieser Raunächte schickt uns der Weise ein Hexagramm mit einem Doppelnamen: Das Empordringen/ Das Emporgehoben werden. Hierbei geht darum, wie die innere Entwicklung eines Menschen zur Erfüllung seines Lebens führt. Ein wundervoller Abschluss für unsere Reise durch die Raunächte, danke lieber Kosmos.

 

Emporgehoben werden

Die Kernbotschaft des I-Ging kennt ihr schon: letztlich geht es im Leben darum, unser wahres Selbst Schritt für Schritt aus den Klauen des Egos und dessen Parallelwirklichkeit zu befreien. Durch die Hilfe des Weisen und der kosmischen Helfer kann Transformation auf atomarer Ebene geschehen, was dem Bild "Emporgehoben werden" deutlich entspricht.

 

Im krassen Gegensatz dazu stellen sich die Bedingungen des kollektiven Ego dar, wenn man dort "emporgehoben" werden wollte. Hier wird an äußeres Handeln appelliert, das sich an undurchsichtige Regeln, starre Vorstellungen und Vorschriften zugunsten einiger Weniger anpasst. Und schon sind wir beim Missbrauch von Macht, woraus- das erkennen wir jetzt schnell- zwangsläufig widriges Schicksal entsteht. Auf der kollektiven Ebene stellt es sich häufig in Form von Krieg, sozialen Unruhen oder als Naturkatastrophen dar.

 

Da wir uns für das neue Jahr frische Ziele gesetzt haben, ist hier vielleicht der richtige Moment, um kurz über Erfolg im kosmischen Sinne zu sprechen:

 

Erfolg

Was Erfolg für das kollektive Ego heißt, ist uns klar, das haben wir wahrscheinlich alle schon in erlebt. In der Berufswelt und wahrscheinlich auch im persönlichen Umfeld. Es heißt Konkurrenzdenken, Übervorteilen von anderen, Wissensvorenthaltung, es heißt rücksichtslos seine persönlichen oder unternehmerischen Ziele erreichen. Solche Erfolge werden in äußeren Besitztümern und Machtstellungen gemessen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind häufig durch hierarchische (Hinter-)Gedanken getrübt.

Interessanterweise funktioniert diese riesige Maschinerie ohne jeglichen äußeren Kraftstoff. Sie wird vielmehr von der Energie vieler strampelnder Wesen betrieben. Denn der Kosmos unterstützt sie in keiner Weise mit seiner Chi Energie.

 

In irgendeiner Skalierung kennen wir das alle. Grund genug, uns für einmal damit auseinanderzusetzen, was uns diese automatisierte innere Einstellung eigentlich kostet und was geschehen würde, wenn--

Du bist an dem Punkt des Emporgehobenwerdens.

 

Im I-Ging bezieht sich Erfolg auf positive Ereignisse, die dann erzielt werden, wenn ein Mensch

die Sinne seiner inneren Wahrnehmung nutzt (wie fühlte ich das?),

um die innere Wahrheit einer Situation zu erfahren (worum geht es wirklich?).

Und um mithilfe des Weisen und der kosmischen Helfer daran zu arbeiten (einen offenen Geist haben),

diese Situation zu harmonisieren (die Hin- und Her Bewegung zwischen deiner und der kosmischen Sicht).

 

Dass das kosmische Bewusstsein uns zum Abschluss der Raunächte dieses Hexagramm vorgelegt hat, bedeutet, dass es uns klarmachen will, dass wir uns zwischen diesen beiden Wegen entscheiden müssen.

 

Wählst du den Weg deiner inneren Wahrheit oder gehst du den Weg des kollektiven Ego und strebst nach Werten, die vielleicht nicht deine sind?

 

Bist du bereit Hindernisse und Blockaden auf kosmische Art zu überwinden anstatt zu streiten, zu prozessieren, zu mobben, zu leiden, zu jammern, ungesunde Körperzustände zu erzeugen?

Bist du also bereit, das dreifache Innere Nein zu benutzen, dann den Weisen und die kosmischen Helfer aufrichtig um Hilfe zu bitten, um eine- im kosmischen Sinne- einvernehmliche Lösung zu finden?

Deine Antwort auf diese Frage ist eine Wegkreuzung. Sie könnte der Anfang deines neues Weges sein. Du entscheidest!

 

Der/das Weise gibt dir noch etwas mit auf diesen Weg:

Was das individuelle Ego betrifft, so sagt uns der/das Weise mit diesem Hexagramm, ist es sehr wichtig, ihm nicht die Kontrolle über unsere Persönlichkeit zu überlassen. Das Ego fürchtet nichts mehr als Selbstprüfung. Es wird versuchen, den Prozess deiner Befreiung zu manipulieren(Folge3). Durch Selbstzweifel, durch Angst, durch Schuldzuweisungen, durch Scham, durch die Verlockung mit weltlichen Zielen. Erfolg im Ego-Sinne ist immer zielorientiert.

"Ich will...!", "von nichts kommt nichts!", "was ohne Mühe gewonnen wird, ist nichts wert...", man muss sein Möglichstes geben...", und vor allem, "man muss mit dem Strom schwimmen".

 

Es gibt eine Art Barometer: Die Ratschläge des Weisen und der Helfer fühlen sich immer gut an; die des Ego erschöpfen uns. Letztere verwickeln uns in komplexe Systeme von Macht, Rechenschaft, Zweifel, übermenschlicher Anstrengung und Unterdrückung. Es macht wenig Sinn sich weiterhin in diesem Denksystem aufzuhalten und gleichzeitig zu hoffen, in diesem System gesunder, entspannter und fröhlicher zu werden. Der Angelpunkt zur Verbesserung liegt in dir. Es ist eine bewusste Entscheidung.

 

Bei aller Warnung ist dieses Hexagramm aber vor allem eine Bestätigung des Weisen, dass du auf dem richtigen Weg bist! Das ist ein hohes Lob! Nimm es an und lass es einen Augenblick wirken.

 

 

Der Ahnenbaum

Ein sehr wichtiges Thema kommt ganz zuletzt. Der Weise spricht hier von der Erkenntnis, dass sich falsche Gedankenformen von Generation zu Generation nach unten vererbt haben, ohne dass sie jemals hinterfragt worden wären. In der christlichen Tradition wird hier häufig von Erbsünde oder Erbschuld gesprochen, einer dieser schauerlichen Gedanken, die sich wie ein Krankheitskeim durch unsere Gesellschaft ziehen.

Dieses starre Gedankengut basiert auf der Trennung zwischen Körper, Geist und Seele (Folge 11). Aus dieser Perspektive wurde uns gelehrt, dass wir uns- unter Androhung von Strafen wie die Hölle- über unsere niedere Natur (Tiernatur) erheben müssten. Müüüühsam!

Aus der Sicht des I-Ging ist diese Tiernatur unsere natürliche Verbindung mit dem Kosmos.

Die menschenzentrierte Sichtweise hingegen ist eine Trennung dieser Verbindung, eine Überhöhung, die uns glauben macht, dass der Mensch höher steht, als alle andere Arten und Lebensformen. Darüber findest du mehr in (Folge 8).

 

Die Schönheit der Kommunikation mit dem Weisen zeigt sich auch hier wieder: an dieser Stelle verweist er noch einmal auf das Hexagramm Neuanfang, mit den wir den Zyklus vor12 Tagen begonnen haben.

Wer den Hirsch jagt ohne Förster, der verirrt sich nur im Wald

heißt es in der für das I-Ging so typisch bildhaften Sprache.

Der Förster ist das wissende, liebende unterstützende Bewusstseinsfeld (der/das Weise), das uns bei der Jagd (auf das Ego) führen kann. Sinn dieser "Jagd" ist die schrittweise Befreiung des wahren Selbst aus dem festen Griff der Ego-Werte.

 

 

Einzigartigkeit, Gleichwertigkeit und Bescheidenheit

Wir erinnern uns: Das sind die drei Prinzipien, die uns mit dem Kosmos verbinden, die uns Würde verleihen.

Einzigartigkeit, nicht zu verwechseln mit "besonders sein" wollen.

Bescheidenheit heißt nicht, sich materiell zu bescheiden oder den weltlichen Dingen zu entsagen, sondern heißt, dass man seine inneren und äußeren Sinne in Übereinstimmung bringt und aus dem Einklang dieser Sinne fühlt.

Gleichwertigkeit gibt jedem Aspekt des Kosmos den gleichen Stellenwert. Nur so kann das Prinzip der komplementären Anziehung wirken, das uns alle verbindet. Es ist die Liebe.

 

Ein schönes Schlusswort.

 

 

(...) Abschied von deinem Heft
  • Vielleicht nimmst du dir jetzt dein Heft vor.

  • Blättere rückwärts und fühle, welche Wörter dich anblitzen.

  • Schreibe sie vielleicht noch einmal gesondert hin.

  • Dann lass sie einen Moment auf dich wirken und schreibe auf, was sie dir sagen.

  • Hast du einen neuen Freund, den Weisen?

 

Geschafft!

Die 12. Folge geht zu Ende. Du hast dir die Mühe gemacht, dich vielen neuen Gedanken auszusetzen. Danke für diese Anstrengung. Sie wird uns alle weiterbringen. Am Ende des Weges möchte ich noch einmal Carol K. Anthony und Hanna Moog für ihr wunderbares Werk "I-Ging, Das Kosmische Orakel" danken. Ich habe mich in dieser BLOG Reihe vielfach auf dieses Werk bezogen und bin dankbar dafür. Ich habe einige Dinge vereinfacht dargestellt, weil die Methode sehr in die Tiefe geht und ein wirklicher Pilgerweg ist. Diesen Weg muss jeder für sich und allein gehen.

Ich selber arbeite seit vielen Jahren mit dem I-Ging und nutze es immer wieder in meiner Coachingarbeit.

 

 

Meine persönliche Erfahrung

Was ich euch aus eigener, sehr persönlicher Erfahrung sagen kann, ist, dass sich das Leben tatsächlich verändert!

Der Gewinn, die innere Ruhe, die Verbundenheit und die Trittfestigkeit im Leben sind der hohe Lohn für die Mühe, diesen Weg zu gehen.

Ich habe nach langer Sinn-Suche diesem Weg ( zu dem auch das Focusing gehört) die Erkenntnis zu verdanken, dass wir nicht eines Tages fluchtartig diesen Planeten für eine andere Dimension verlassen werden, sondern dass der Weg in die Freiheit durch die eigene Mitte geht.

Es gibt keine Bedingungen, die zu erfüllen sind, es wird nichts verlangt- außer authentisch zu bleiben.

Ich war ein misstrauischer Mensch und es ist mir sehr schwer gefallen, zu vertrauen. Für jeden Lernimpuls hatte ich gleich einen Zweifel parat. Aber an irgendeinem Punkt ist meine Willenskraft (die zu unserer Grundausstattung gehört, jeder hat sie!) nach vorne getreten und hat die heiligen Worte: "ich will!" gesprochen. Von da an habe ich Grundvertrauen entwickelt.

 

Der Prozess war natürlich nicht ohne Rückschläge. Die schlimmsten waren die, wenn ich plötzlich feststellen musste, dass ich über den Alltag den Kosmos völlig "vergessen" hatte. Aber ich habe mich erinnert, und einfach weiter gemacht. Von einer Wegkreuzung zur anderen.

 

Ich bin in großer Vorfreude auf das Jahr 2020. Ich sehe mehr und mehr Menschen, die sich Gedanken machen. Ein Danke an unsere Kinder, die sich erheben und bereit sind, Veränderungen herbeizuführen. Ich sehe viele Erwachsene, die bewegungslose, starre Jahre auf irgendeinem Designer-Sofa festgenagelt waren, plötzlich auf meinen Streifzügen durch die Natur. Am Neujahrstag, strahlend blau und sonnig, sind mir so viele Familien begegnet und ich möchte euch sagen:

"Danke, dass ihr da seid!"

 

Der letzte Schritt:

Montag, den 6. Januar, wird mit dem Ende der Raunächte das so liebevoll und vielleicht auch an mancher Stelle schmerzhaft geführte Heft dem reinigenden Feuer übergeben.

Wenn du nicht dazugekommen bist, in ein Heft zu schreiben, nimm dir JETZT irgendeinen Zettel und schreibe das auf, was dich JETZT bewegt. Das reicht schon!

 

Für die genaue Anleitung der Feuerzeremonie schau bitte noch einmal in Folge 0.

 

Diese Raunächte waren ein Abenteuer.

Ich habe viel und gerne daran gearbeitet.

Vielleicht sind wir BLOG Freunde geworden und sehen uns wieder?

Das würde mich sehr freuen.

 

Bleibt gesund und fröhlich, bleibt zuversichtlich und vertraut eurer inneren Stimme.

 

Liebe Grüße

Birgit

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