top of page

Tanz mit mir, Geliebter

23. Sept.
2 Min. Lesezeit


Ich zitiere ein stimmungsvolles kubanisches Lied, in dem der Refrain lautet: „Tanz mit mir, Geliebter“. Dieser hingehauchte lateinamerikanische Swing ist uns irgendwie abhanden gekommen. Wir bewegen uns oft wie Dampfwalzen durch das Leben. Geplant, erledigt, geplant, erledigt. Da ist wenig Raum für fließende Weichheit, wenig Erfüllung von tiefen, aber sehr menschlichen Sehnsüchten.

Woran könnte das liegen?


Ich beschäftige mich viel mit dem Thema „Mindset“, unserem Denkraum. Dieser Raum ist konstruiert, programmiert und in vieler Hinsicht selbstgestrickt. Dennoch nehmen wir ihn hin als „die Realität“. „So ist das Leben nun mal“, höre ich Klienten sagen und frage gerne zurück: „Ist das so? Ist das wirklich, wirklich wahr?“


Natürlich nicht. Es ist eine rhetorische Frage und dennoch ein dicht besetzter Raum. Hartnäckig. Und es ist dieser Raum, beziehungsweise dessen enge Grenzen, die uns die meisten Konflikte bescheren.


Hier tummeln sich Erwartungen, Versprechen, Forderungen – ausgesprochene und schlimmer noch: unausgesprochene. Die Haltung ist intensiv. Auf beiden Seiten: bei dem, der fordert, und bei dem, der ablehnt. Es ist kein Tanz.


Diese Denkräume sind gedankliche Konstrukte und wir behandeln sie wie Zwangsräume. Das sind sie nicht. Wir haben die Möglichkeit, diesen Raum jederzeit zu verändern. Nicht, indem wir die Lösung beim anderen suchen, sondern indem wir sie innerhalb dieses durch Denken und Glaubenssätze definierten Raumes finden.


Erste Bewegung

Als erste effektive Bewegung bietet es sich an, den eigenen Stuhl nach hinten zu schieben!

Was geschieht: Ich sehe die Situation in einem größeren Rahmen. Es ist mehr Handlungsspielraum da, die Enge verlässt uns. Damit verschwindet bereits ein Teil des Drucks.


Zweite Bewegung

Der Stuhl bleibt, wo er ist, ich „dupliziere“ mich und trete weit nach hinten, so weit, dass ich mich selber in der Szene sehen kann. Ich spüre nicht nur, wie der andere sich verhält, ich spüre auch deutlich, wie mein eigenes Verhalten in der Szene wirkt. Auf mich UND auf den anderen. Diese Betrachtungsweise schafft Weite, Ruhe, Neutralität. Das ist eine völlig andere Schwingung.


Dritte Bewegung

Weg von „ich will“. Radikal. Die Situation ist stattdessen erfüllt von Kooperation. Was kann ich im anderen sehen, was diese Situation auf eine ganz andere Schwingungsebene heben könnte? Ich leiste keinen Widerstand und stelle keine Bedingungen auf, sondern ich öffne, was ich den Raum der Möglichkeit nenne. Ich höre zu. Ich höre wirklich zu. Es wird sich ein neuer Bereich zwischen uns zeigen, ein erster kleiner kreativer Raum, den Kooperation statt Konfrontation ermöglicht.


Vierte Bewegung

Wir tanzen diesen Raum. Leichte, flexible Bewegungen in einem gemeinsamen Swing. Du wirst ihn spüren, der andere wird ihn spüren. Das Gefühl, plötzlich gemeinsam in Bewegung zu kommen, ist erhebend. Es ist ein Glücksmoment. Tiefes Glück. Und große Erleichterung.


Fünfte Bewegung

Mach dir diese Beweglichkeit zum Vorbild. Tanze die Situation, schwinge in ihr und aus ihr. Erst dann rückst du deinen Stuhl wieder an den verdienten Platz zurück.


Es wird ein anderer Platz sein. Und jetzt du: Welches Lied fällt dir dazu ein? Schreib es mir unten in die Kommentare.

Bleib in Bewegung:


 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page